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Automatisiertes Coil-Hochregallager: Lager- und Handlingkonzepte für Aluminium- und Stahl-Coils

Automatisiertes Coil-Hochregallager: Lager- und Handlingkonzepte für Aluminium- und Stahl-Coils
Auf den Punkt

Ein Coil-Hochregallager ist ein automatisiertes Schwerlastlager, das Aluminium- oder Stahl-Coils platzsparend in der Höhe einlagert und per Regalbediengerät bewegt. Es verbindet Walzwerk und Weiterverarbeitung, schützt empfindliche Oberflächen und steigert Durchsatz sowie Flächeneffizienz gegenüber Flächenlagern deutlich. Coil-Gewichte liegen typischerweise zwischen 5 und 35 Tonnen je Wickel.

Coils zählen zu den anspruchsvollsten Lagergütern der Metallindustrie: schwer, empfindlich, geometrisch unhandlich. Dieser Fachartikel erklärt, was ein Coil-Hochregallager leistet, wann sich ein Kragarmlager besser eignet und wie automatisierte Regalbediengeräte Aluminium- und Stahl-Coils prozesssicher ein- und auslagern. Reale, belegte Projektkennzahlen aus der Schwerlast-Intralogistik zeigen, welche Dimensionen und Taktzeiten heute erreichbar sind.

Was ist ein Coil-Hochregallager und wofür wird es gebraucht?

Ein Coil-Hochregallager dient als zentraler Materialpuffer in der Aluminium- und Stahlindustrie. Coils, also aufgewickelte Metallbänder, entstehen am Walzwerk und müssen vor der Weiterverarbeitung sortenrein gepuffert, kommissioniert und prozessgerecht bereitgestellt werden. Statt die schweren Wickel auf großer Bodenfläche abzustellen, lagert ein automatisiertes Hochregallager sie platzsparend in der Höhe und macht jeden Coil über ein Lagerverwaltungssystem einzeln adressierbar.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt in drei Punkten: hohe Flächen- und Raumausnutzung, durchgängige Materialverfolgung und ein automatisierter Materialfluss ohne manuelles Kranhandling. Gerade bei kontinuierlicher Produktion ist die Pufferfunktion entscheidend, weil Walzen, Glühen, Beschichten und Verpacken unterschiedlich getaktet sind. Das Lager entkoppelt diese Prozessstufen.

Coil-Lager sind keine Standardregale. Sie werden auf Lastklasse, Coil-Geometrie, Oberflächenempfindlichkeit und Anbindung an die Produktion ausgelegt. Solche Systeme realisiert heute die Intralogistik-Sparte Vollert Heavy Duty Solutions. Einen Überblick über die Bandbreite an Konzepten geben die Schwerlast-Lagersysteme im Überblick, die von Hochregallagern über Kragarmlager bis zu Sonderlösungen reichen.

Warum sind Coils so anspruchsvoll zu lagern?

Die Schwierigkeit beginnt beim Gewicht. Coils erreichen je nach Werkstoff, Bandbreite und Wickeldurchmesser meist zwischen 5 und 35 Tonnen, einzelne Stahl-Coils bewegen sich an der oberen Grenze. Solche Lasten überfordern klassische Intralogistik, die häufig schon bei zwei bis drei Tonnen endet. Wo darüber hinaus noch höhere Einzellasten anfallen, handelt es sich in der Regel um Sonderanlagen der Schwerlast- und Krantechnik, nicht um klassische Coil-Lager.

Hinzu kommt die Oberflächenempfindlichkeit. Hochwertige Aluminiumfolien und beschichtete Stahlbänder dürfen weder verkratzt noch durch Druckstellen markiert werden. Schutzfolien und definierte Auflagepunkte sind Pflicht, das Handling muss erschütterungsarm und exakt positioniert erfolgen. Bei heißen Coils direkt aus dem Walzprozess kommt die Temperatur hinzu: Lagerstruktur und Greifmittel müssen thermisch ausgelegt sein, und die Wärmeabfuhr ist einzuplanen.

Schließlich erzwingt die Geometrie besondere Lösungen. Ein Coil ist rund und hat eine ausgeprägte Rollneigung, deshalb braucht es formschlüssige Auflagen wie Sättel oder Prismen, die ein Wegrollen sicher verhindern. Diese Anforderungen erklären, warum für Coils spezialisierte Konzepte wie das Kragarmlager für Coils oder dedizierte Hochregallager statt universeller Palettenregale eingesetzt werden.

Lagerkonzepte im Vergleich: Hochregallager, Kragarmlager und Flächenlager

Das automatisierte Hochregallager ist die leistungsstärkste Lösung für hohen Durchsatz und große Bestände. Ein Regalbediengerät bedient hohe Regalreihen vollautomatisch, das Lagerverwaltungssystem steuert Ein- und Auslagerung sowie Chargenverfolgung. Vorteil: maximale Raumausnutzung und prozesssichere Automatisierung. Voraussetzung: Die Investition in Stahlbau, Steuerung und Regalbediengerät rechnet sich vor allem bei kontinuierlichem Materialfluss. Details zu Bauweisen und Steuerung finden sich bei den Hochregallager-Loesungen.

Das Kragarmlager nimmt Coils liegend auf auskragenden Armen auf und punktet mit flexiblen Fachhöhen, einfacher Beschickung und guter Zugänglichkeit. Es eignet sich für mittlere Bestände, heterogene Coil-Größen und Bereiche, in denen ein Stapler oder Portalkran beschickt. Gegenüber dem Hochregallager ist die Bauhöhe meist geringer, der Automatisierungsgrad oft niedriger.

Das Flächenlager, also das Abstellen der Coils auf Sätteln am Boden, bleibt das einfachste und investitionsärmste Konzept. Es ist sinnvoll bei kleinen Mengen, geringem Umschlag oder als Pufferzone, kostet aber viel Fläche und bietet keine automatisierte Bestandsführung. Für Betreiber gilt: Je höher Durchsatz und Bestandstiefe, desto eher lohnt das automatisierte Hochregallager.

KriteriumHochregallager (RBG)KragarmlagerFlächenlager
Raumausnutzungsehr hochmittelniedrig
Durchsatzsehr hochmittelniedrig
Automatisierungvollautomatisch möglichteil- bis vollautomatischmanuell
Investitionhochmittelgering
Typischer Einsatzkontinuierliche Produktionflexible Beständekleine Mengen, Puffer

Wann Kragarmlager statt Hochregallager?

Die Entscheidung zwischen Kragarmlager und Hochregallager folgt der Betriebslogik, nicht einer pauschalen Regel. Ein Kragarmlager spielt seine Stärken aus, wenn die Coil-Geometrie heterogen ist, häufig zwischen Größen und Bandbreiten gewechselt wird und flexible Fachhöhen wichtiger sind als maximale Verdichtung. Auch dort, wo die Hallenhöhe begrenzt ist oder die Beschickung bewusst manuell oder teilautomatisiert bleiben soll, ist es die wirtschaftlichere Wahl.

Das Hochregallager dagegen ist überlegen, sobald ein Walzwerk kontinuierlich produziert und das Lager große Mengen sortenrein puffern muss. Hohe Taktzahlen, lückenlose Materialverfolgung und die Nutzung der Hallenhöhe sprechen klar dafür. In der Praxis kombinieren Betreiber beide Konzepte: ein automatisiertes Hochregallager als Hauptpuffer, ein Kragarmbereich für Sondergrößen oder Express-Aufträge.

Wer die Bauformen direkt vergleichen will, findet bei der Intralogistik für die Aluminiumindustrie branchenspezifische Auslegungen. Grundlegend ordnet auch der Schwester-Artikel zu den Grundlagen der Schwerlast-Intralogistik ein, welche Lastklassen und Systeme jenseits der klassischen 2-bis-3-Tonnen-Logistik überhaupt relevant sind.

Automatisierung und Regalbediengeräte für Coils

Im Zentrum der Automatisierung steht das Regalbediengerät (RBG). Es übernimmt den Coil an einer Übergabestation, fährt entlang der Regalgasse zum vom Lagerverwaltungssystem berechneten Platz und setzt ihn dort erschütterungsarm und exakt positioniert ab. Die Greifmittel sind auf die Coil-Geometrie ausgelegt, sodass empfindliche Oberflächen und Folien geschützt bleiben und die Rollneigung sicher beherrscht wird.

Die Dimensionen solcher Geräte sind beachtlich: Bei Logan Aluminum arbeitet ein Regalbediengerät in einem 42 Meter hohen Hochregallager mit bis zu 30 Tonnen Nutzlast, es ist nach Herstellerangabe das größte je gebaute Regalbediengerät des Anbieters. Bei Constantia Teich wurde ein Coil-Hochregallager im dritten Bauabschnitt auf rund 150 Meter Länge erweitert. Diese Erweiterung ist Teil eines größeren Walzwerk-Ausbaus, dessen Investitionspaket die Jahresproduktion des Walzwerks (nicht die Lagerkapazität des Hochregallagers allein) um rund 30 Prozent auf bis zu 90.000 Tonnen Aluminiumfolie steigern soll.

Taktzeit ist der zweite entscheidende Hebel. Bei Saarstahl lagert das System 3.000 Tonnen Drahtbunde mit einer Taktzeit von 190 Sekunden je Doppelspiel, also je kombinierter Ein- und Auslagerung. Drahtbunde sind aufgewickelter Walzdraht (bis rund 4,5 Tonnen je Bund) und damit ein verwandter, aber anderer Coil-Typ als die flachgewalzten Band-Coils aus Aluminium- oder Stahlband. Solche Werte zeigen, dass die Automatisierung nicht nur Fläche spart, sondern den Materialfluss messbar beschleunigt. Voraussetzung ist eine durchgängige Steuerungslogik vom Auftragseingang bis zur physischen Bewegung.

Anbindung an Walzwerk und Produktion: der Materialfluss

Ein Lager ist nur so gut wie seine Anbindung. Zwischen Walzwerk, Glühe, Beschichtung, Verpackung und Versand transportieren Fördertechnik, schienengebundene Transportwagen und Kransysteme die Coils ohne manuelle Eingriffe. Das Hochregallager wirkt dabei als Puffer, der die unterschiedlich getakteten Prozessstufen entkoppelt und so Stillstände vermeidet.

Wie weit solche Systeme reichen, zeigen Kran- und Sonderprojekte. Bei Vallourec & Mannesmann arbeitet ein 260-Tonnen-Automatikkran mit 44 Metern Spannweite und 35 Tonnen Nutzlast, eine Dimension, die die enge Verzahnung von Lager- und Krantechnik in der Schwerindustrie verdeutlicht. Erdbebensicherheit kann ebenfalls Teil der Auslegung sein: Das Coil-Hochregallager bei Xiashun ist auf rund 800 Aluminium-Coils zu je etwa 17 Tonnen ausgelegt, misst rund 160 Meter Länge, 10 Meter Breite und 27 Meter Höhe, arbeitet mit zwei Regalbediengeräten und ist erdbebensicher ausgeführt. Die Coils können dort bis zu 150 Grad Celsius heiß eingelagert werden.

Für die Praxis bedeutet das: Lager und Materialfluss werden gemeinsam geplant, nicht nacheinander. Eine schlüsselfertige Realisierung verkürzt zudem die Projektdauer. Bei Hammerer Aluminium vergingen von der Planung bis zur Inbetriebnahme rund 12 Monate. Weitere Umsetzungen dokumentieren die Referenzprojekte Aluminium- und Stahlindustrie.

Sicherheit, Normen und Auswahlkriterien für Betreiber

Neben Leistung und Wirtschaftlichkeit sind Sicherheit und Regelwerke ein eigenständiges Auslegungskriterium. Wegen der Rollneigung müssen Coils formschlüssig auf Sätteln oder Prismen liegen, sodass ein Wegrollen auch bei Erschütterung ausgeschlossen ist. Bei heißen Coils sind Brandschutz und Wärmeabfuhr einzuplanen, und seismisch belastete Standorte erfordern eine erdbebensichere Stahlbau- und Steuerungsauslegung (siehe Xiashun). Regalbau und Betrieb richten sich nach den einschlägigen Regelwerken für Lagereinrichtungen und Maschinensicherheit; die konkrete Auslegung gehört in jedem Projekt fachlich geprüft.

Die Konzeptwahl ist darüber hinaus eine Abwägung mehrerer Faktoren. Maßgeblich sind:

  • Lastklasse und Geometrie: maximales Coil-Gewicht (typischerweise 5 bis 35 Tonnen), Wickeldurchmesser und Bandbreite bestimmen Regalbau und Greifmittel.
  • Durchsatz und Taktzeit: kontinuierliche Produktion spricht für ein automatisiertes Hochregallager mit Regalbediengerät, geringer Umschlag eher für Kragarm- oder Flächenlager.
  • Oberflächenschutz: empfindliche Folien und Beschichtungen erfordern erschütterungsarmes, formschlüssiges Handling.
  • Bauliche Randbedingungen: Hallenhöhe, Grundfläche und Standortfaktoren wie Erdbebensicherheit.
  • Materialfluss: die Anbindung an Walzwerk und Weiterverarbeitung über Förder- und Krantechnik.
  • Projektrahmen: Investitionshöhe und Realisierungsdauer, schlüsselfertig teils in rund 12 Monaten (Hammerer Aluminium).

Als Orientierung dienen reale Größenordnungen: SSAB lagert bis zu 6.000 Tonnen Stahl, Logan Aluminum arbeitet auf 42 Metern Höhe mit bis zu 30 Tonnen Nutzlast. Solche Kennzahlen helfen, das eigene Anforderungsprofil einzuordnen. Eine belastbare Auslegung entsteht jedoch immer aus den konkreten Betriebsdaten, nicht aus pauschalen Richtwerten. Die Kragarmlager für Coils und automatisierten Hochregallager lassen sich entsprechend kombinieren.

Kennzahlen im Überblick

  • Constantia Teich: Coil-HRL im 3. Ausbau auf rund 150 m Laenge erweitert; Walzwerk-Ausbau zielt auf +30 % Jahresproduktion
  • Logan Aluminum: 42 m Hoehe, bis 30 t Nutzlast (groesstes RBG des Anbieters)
  • Xiashun: 800 Alu-Coils zu je ~17 t, 160 x 10 x 27 m, zwei RBG, erdbebensicher
  • Saarstahl: 3.000 t Drahtbunde, Taktzeit 190 s je Doppelspiel
  • SSAB: bis 6.000 t Stahl
  • Coil-Gewicht: typischerweise 5 bis 35 t je Wickel

Häufige Fragen

Was ist ein Coil-Hochregallager?
Ein Coil-Hochregallager ist ein automatisiertes Schwerlastlager, das aufgewickelte Metallbänder aus Aluminium oder Stahl in mehreren Ebenen einlagert. Ein Regalbediengerät bewegt die Coils, ein Lagerverwaltungssystem steuert Plätze und Chargen. Es puffert Material zwischen Walzwerk und Weiterverarbeitung und nutzt die Hallenhöhe statt großer Bodenfläche.
Wie schwer sind Aluminium- und Stahl-Coils?
Coils wiegen je nach Werkstoff, Bandbreite und Wickeldurchmesser typischerweise zwischen 5 und 35 Tonnen je Wickel, wobei Stahl-Coils sich eher an der oberen Grenze bewegen. Klassische Intralogistik endet dagegen häufig schon bei zwei bis drei Tonnen. Höhere Einzellasten betreffen meist Sonderanlagen der Krantechnik, nicht klassische Coil-Lager.
Wann ist ein Kragarmlager besser als ein Hochregallager?
Ein Kragarmlager eignet sich, wenn Coil-Größen stark variieren, der Durchsatz moderat ist, die Hallenhöhe begrenzt ist oder die Beschickung manuell beziehungsweise teilautomatisiert erfolgt. Ein Hochregallager ist überlegen, sobald hoher Durchsatz, dichte Lagerung in der Höhe und vollautomatische Bestandsführung gefordert sind. Oft werden beide Konzepte kombiniert.
Wie werden Coils automatisiert eingelagert?
Ein Regalbediengerät übernimmt den Coil an einer Übergabestation, fährt zum vom Lagerverwaltungssystem berechneten Platz und setzt ihn formschlüssig auf einem Sattel ab. Die Greifmittel sind auf Gewicht, Geometrie und empfindliche Oberflächen abgestimmt. So entfällt manuelles Kranhandling, und jeder Coil bleibt über das System einzeln adressier- und verfolgbar.
Welche Durchsatzleistung erreicht ein automatisiertes Coil-Lager?
Die Leistung hängt von Geometrie, Lastklasse und Steuerung ab. Bei Saarstahl lagert ein System 3.000 Tonnen Drahtbunde mit einer Taktzeit von 190 Sekunden je Doppelspiel, also je kombinierter Ein- und Auslagerung. Solche Werte zeigen die Größenordnung, eine konkrete Auslegung muss jedoch immer auf den individuellen Betriebsdaten beruhen.
Worin unterscheiden sich Drahtbunde und flachgewalzte Band-Coils?
Drahtbunde sind aufgewickelter Walzdraht und wiegen meist bis rund 4,5 Tonnen je Bund, etwa im Saarstahl-Projekt. Flachgewalzte Band-Coils aus Aluminium- oder Stahlband sind dagegen deutlich schwerer und tragen empfindliche Oberflächen. Beide sind verwandte Coil-Typen, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an Handling, Auflage und Oberflächenschutz.
Können Coil-Hochregallager erdbebensicher gebaut werden?
Ja, Erdbebensicherheit ist Teil der baulichen Auslegung. Das Coil-Hochregallager bei Xiashun ist auf rund 800 Aluminium-Coils zu je etwa 17 Tonnen ausgelegt und erdbebensicher ausgeführt. Standortfaktoren wie seismische Anforderungen sollten Betreiber daher früh in die Planung einbeziehen, weil sie Regalbau, Stahlbau und Steuerung maßgeblich beeinflussen.
Wie lange dauert die Realisierung eines Coil-Hochregallagers?
Die Dauer richtet sich nach Umfang, Lastklasse und Integration in die Produktion. Bei Hammerer Aluminium vergingen von der Planung bis zur Inbetriebnahme rund 12 Monate, da das Projekt schlüsselfertig realisiert wurde. Pauschale Zeitversprechen sind nicht seriös, weil Materialfluss, Stahlbau und Steuerung gemeinsam geplant und abgestimmt werden müssen.

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